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Folgende Rezensionen und Lesetips stehen derzeit zur Verfügung:
Zum Download hier: Lesetips zum Darwin-Jahr (Guy M. Clicqué)
Zum Lesen unten:
Richard Dawkins: Der Gotteswahn. (Barbara Drossel)
Christopher Schrader: Darwins Werk und Gottes Beitrag.
Evolutionstheorie und Intelligent Design. (Gunter M. Schütz)
Martin Hailer: Glauben und Wissen: Arbeitsbuch Theologie und Philosophie. (Jochen Eber)
David Bornstein: Die Welt verändern. Social Entrepreneurs und die Kraft neuer Ideen. (C. Marc Fülöpp)
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Der religiöse Glaube ist ein Wahn, also eine dauerhaft falsche Vorstellung, an der trotz starker, entgegengesetzter Belege festgehalten wird. Diese schon aus seinen früheren Werken bekannte These führt der Evolutionsbiologe Richard Dawkins in seinem neuesten Buch "Der Gotteswahn" auf mehr als 500 Seiten aus. Mit diesem Buch möchte er die Leser ermutigen, die Religion ihrer Eltern hinter sich zu lassen und sich zum Atheismus zu bekennen. Dem Leser wird erklärt, Religion hätte zu viel Bösem und nichts Gutem geführt, Gottes Existenz sei eine wissenschaftlich überprüfbare und mit größter Wahrscheinlichkeit falsche These, die angeblichen Belege für den Glauben seien extrem schwach, der Gott des Alten Testaments sei ein "psychotischer Übeltäter" (S.55) und Moralgesetze, die man mit dem gesunden Menschenverstand aufstellt, seien viel vernünftiger als die 10 Gebote. Der Streit um die Mohammed-Karikaturen, Fernsehprediger, die ihre Zuschauer manipulieren, Ärzte mordende Abtreibungsgegner, ein begabter junger Naturwissenschaftler, der sich im Konflikt zwischen Bibel und Wissenschaft für die Bibel entscheidet und die Wissenschaft wider besseres Wissen aufgibt, das jüdische Kind, das seinen Eltern durch die katholische Kirche zum Zweck christlicher Erziehung weggenommen wurde -- all diese extremen Beispiele dienen zur Illustration der angeblich schädlichen und irrationalen Auswirkungen der Religion. Richard Dawkins bezieht sich hauptsächlich auf die drei großen monotheistischen Religionen und dabei am meisten auf das Christentum, aber er stellt klar, dass er sich grundsätzlich "gegen Gott, alle Götter, alles Übernatürliche, ganz gleich wo und wann es erfunden wurde oder noch erfunden werden wird", wendet (S.53). Die Wahl des Wortes "erfunden" an dieser Stelle, ebenso wie die oben zitierte Charakterisierung des alttestamentlichen Gottes sind zwei Beispiele für die dieses Buch durchziehende polemische Sprache. Weitere Kostproben sind die "scheinheilig-heuchlerische Mutter Theresa" (S.406) und "religiöse, ansonsten aber intelligente Wissenschaftler" (S.152). Nach Dawkins' eigener Aussage ist das zentrale Argument des Buches das "Argument der Unwahrscheinlichkeit", das im vierten Kapitel ausgeführt wird: Komplizierte Dinge können nicht durch Zufall entstehen, denn die Wahrscheinlichkeit hierfür ist viel zu gering. Hierin ist sich Dawkins übrigens mit den Kreationisten und den Vertretern des "Intelligent Design" einig. Aber während die letzteren daher die "gezielte Gestaltung" von Lebewesen oder komplexen Organen postulieren, verweist Dawkins auf Darwinsche natürliche Selektion als den Mechanismus, der nachweislich Komplexität erzeugen kann. Das Gestaltungsargument hingegen widerlegt sich seiner Meinung nach selbst: Wenn ein Gestalter nötig ist, um komplexe Dinge zu erklären, dann muss dieser Gestalter noch viel komplexer sein als die von ihm geschaffenen Dinge. Damit stellt sich das noch viel größere Problem, wie ein solch unwahrscheinliches Wesen wie der Gestalter entstanden sein kann. Bei dieser Argumentation setzt Dawkins unausgesprochen voraus, dass alles Existierende durch einen natürlichen Prozess aus etwas Einfachem entstanden sein muss. Einfache Bausteine der Materie in Verbindung mit Naturgesetzen sind in dieser Ansicht die letzte Realität, aus der alles andere abzuleiten ist, auch Gott ?wenn es ihn gibt. Der christliche Glaube, ebenso wie jede theistische Weltanschauung, geht aber vom Gegenteil aus, dass Gott die letzte Realität ist und dass alles andere, einschließlich Materie und Naturgesetze und der daraus resultierenden natürlichen Entwicklungsprozesse, von ihm hervorgerufen wurde. Auch an anderen Stellen des Buches zeigt sich Dawkins' naturalistisches Weltbild: die einzigen Erklärungen, die er akzeptiert, sind wissenschaftliche Erklärungen. Daher spielt er auch natürliche Prozesse und Gottes schöpferisches Handeln gegeneinander aus, statt sie als zwei verschiedene Erklärungsebenen gelten zu lassen. Glaubenserfahrungen sind für ihn auf Prozesse im Gehirn zurückführbar, Religionen sind ein Nebeneffekt der (einen Überlebensvorteil bringenden) Regel, als Kind auf die Erwachsenen zu hören. Auch unser Moralgefühl hat einen darwinistischen Ursprung. Über all diese Punkte kann man diskutieren, und es gibt gute Bücher, die überzeugend die christliche Sicht dieser Dinge darlegen. Aber über andere Punkte des Buches kann man sich einfach nur ärgern, weil sie schlichtweg falsch sind: Darüber, dass "Glauben" von Dawkins wieder einmal mit einem Festhalten an Dogmen trotz entgegengesetzter Belege gleichgesetzt wird, dass er die vier Evangelien als "mehr oder weniger willkürliche" Auswahl aus einer größeren Zahl bezeichnet (S.134), und dass die Hauptauswirkung des Christentums eine schädliche sein soll. Seine Äußerungen über das Alte Testament lassen eine Auseinandersetzung mit dem historischen Kontext vermissen. Seine Verachtung für die zentrale Botschaft über Sünde und Vergebung des Neuen Testaments unterschlägt die Tatsache, dass viele Menschen durch sie eine grundlegende Lebensveränderung erfahren haben. Dawkins weiß durchaus um Christen, die sich bewusst für den Glauben entschieden haben, die Gründe für ihren Glauben anführen können, die den Kreationismus und ID ablehnen und die Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung akzeptieren, die seinen Ärger über Irrationalismus und Ungerechtigkeit teilen, oder die moralisch vorbildliche Menschen sind. Doch für ihn sind sie die seltene Ausnahme und eine Abweichung von dem, was Religion ihrem Wesen nach ist. Daher ist er verblüfft über diejenigen "guten Naturwissenschaftler", die an den "Details der christlichen Religion: Auferstehung, Vergebung der Sünden und so weiter" festhalten (S.140). Ebenso verwundert werden so manche Leser seines Buches darüber sein, dass ein Mann seines Formates weiterhin an den Behauptungen von der Irrationalität und Schädlichkeit des Glaubens und von der Allmacht natürlicher Selektion festhält, obwohl schon von vielen Seiten Gegenargumente ins Feld geführt wurden. Barbara Drossel |
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Mit einiger Verzögerung ist die amerikanische Debatte um "Intelligent Design" (ID), auch in Deutschland angekommen. Das vorliegende Buch gibt davon Zeugnis, indem es zu widerlegen sucht, dass die zentrale Behauptung der ID-Hypothese, nämlich daß die biologische Evolution nicht alleine durch natürliche Ursachen wissenschaftlich erklärbar sei, unwissenschaftlich und unhaltbar ist. Schrader zeigt auf, daß der Widerstand gegen die Evolutionstheorie religiös motiviert ist und argumentiert darüber hinaus in den abschließenden Kapiteln, daß wissenschaftliche Erkenntnis in keinem zwangsläufigen Widerspruch zu Religion stehen. Hier versucht das Buch zu vermitteln und Glauben aus der Schußlinie von Wissenschaft zu nehmen und eben auch umgekehrt wissenschaftliches Denken vor Mißverständnis seiner Vorgehensweise und einer ahistorischen Bibelauslegung zu schützen. Damit ist die Grundlinie des Buches skizziert. Neben dieser Stoßrichtung ist noch als positiv anzumerken, daß sich endlich ein Autor die Mühe gibt, die Grundannahmen von ID tatsächlich erst zu benennen, um sie dann später zu widerlegen, anstatt, ohne sie überhaupt nur darzustellen, gleich als mittelalterlichen Unfug abzutun. Mit diesen guten Absichten und dem sehr gut gelungenen Aufbau erschöpft sich aber leider weitgehend das, was sich erfreuliches über dieses Buch sagen läßt. Vielfach schafft Schrader Fronten quer zu den eigentlichen Gräben, etwa wenn er gleich in der Einleitung in einem Atemzug ID, Sexualkundeunterricht, und eine bayrische fundamentalistische Sekte und die katholische Kirche nennt, und suggestiv in Frage stellt ob Papst Benedikt XVI. die bisherige Position der katholischen Kirche zur Evolutionstheorie beibehält. Auch die griffige undifferenzierte Kurzformel von der religiösen Motivation von ID im angeblichen Gegensatz zur reinen Wissenschaftlichkeit der Evolutionstheorie führt in die Irre, in dem sie die metaphysische Einbettung der Evolutionstheorie, so wie sie de facto immer wieder geschildert wird, unterschlägt. Die Unterscheidung von Wissenschaft und ihrer metaphysischen Basis und Implikationen wird auch an anderen Stellen über Bord geworfen, z.B. bei einer fehlgeleiteten Kritik an Dembskis Wissenschaftskritik (S. 87).... Ebenso gravierend sind zahlreiche innere Widersprüche der Gedankenführung Schraders. Ein Beispiel ist, daß am Ende des Buches der Leser doch noch beruhigt wird, daß Papst Benedikt wohl doch nicht zum ID-Apostel wird (während die Einleitung ja gerade darlegen will, daß zukünftige Position der katholischen Kirche in dieser Frage offen sei). Ein weiteres Beispiel ist das biblische Argument, daß Gottes Gedanken höher sind als menschliche Vernuft. Auf S. 96 wird dieses Argument lächerlich gemacht, wenn es ID-Vertreter verwenden, um zu begründen, warum sie nicht erklären können, daß nicht alle biologischen Funktionen perfekt ist, obwohl sie doch von einem göttlichen Designer geschaffen seien. Auf S. 113 wird dann genau das gleiche Argument positiv beurteilt, als es von Lutz von Raden gegen ID ins Feld geführt wird, indem er den Vorwurf macht, ID-Vertreter würden Gottes Handeln der menschlichen Vernunft zugänglich machen. Dieser skurrile Fall von Selbstwiderspruch steht leider nicht alleine. Schließlich muß man Schrader auch vorwerfen, ID nicht immer mit gültigen Argumenten zu entkräften, z.B. in Schraders Darstellung eines Zentralbegriffs von ID, der komplexen spezifizierten Information. Die von Schrader behauptete Zirkularität von Spezifikation und Intelligenz ist keine logische Zirkularität, sondern für Dembski eine Identität, und im geschilderten Zusammenhang legitim. (Illegitime Zirkularitäten im Argumentationsschema von ID treten statt dessen an anderer Stelle auf, auf die Schrader nicht hinweist). Wenn Schrader Dembski nachher noch vorwirft, ``spezifierte komplexe Information und ID zu reiner Unwahrscheinlichkeit verkommen'' zu lassen, sieht man, daß er Dembski's Zentralbegriff überhaupt nicht verstanden hat. Es ist gerade Dembski's ausdrücklicher Punkt, daß extreme Unwahrscheinlichkeit intelligentes Design impliziert. Auch hier liegen die tatsächlichen Probleme von ID an ganz anderer Stelle. Viele der Widerlegungen Schraders sind sehr klar und treffen den Punkt, mit etlichen seiner Argumente werden ID-Vertreter jedoch leichtes Spiel haben, obwohl sie dennoch im Unrecht sind. So bleibt zusammenfassend zu sagen, daß mit dem Buch leider die Chance vertan wurde, anhand eines brennenden Themas Aufklärung in das subtile Verhältnis von Naturwissenschaft und Glauben zu bringen. Bei besten und zu fördernden Absichten werden zu oft Klischees bedient, der eigentliche Punkt verfehlt, oder ungültig argumentiert. Gunter M. Schütz |
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Der Philosophiehistoriker Heinz Heimsoeth (1886 - 1975) hat die Geschichte der abendländischen Philosophie in sechs großen Themen ihrer Metaphysik zusammengefasst: Gott und Welt, Unendlichkeit im Endlichen, Seele und Außenwelt, Sein und Lebendigkeit, das Individuum sowie Verstand und Wille. Privatdozent Martin Hailer von der Universität Bayreuth (geb. 1965) stellt in ähnlich systematisierender Weise Hauptprobleme der Philosophiegeschichte anhand von zwei Grundkonflikten zwischen Glauben und Wissen dar (S. 19?54). Den ersten Unterschied lokalisiert Hailer zwischen mythischer und philosophischer Gottesrede, den zweiten in der Differenz zwischen griechischer und christlicher Gottesrede. - Der Mythos ist nicht vom Logos abgelöst worden, wie heute vielfach geglaubt wird, sondern es gibt einen andauernden Konflikt zwischen beiden. Während Hailer den ersten Grundkonflikt an den frühesten griechischen Denkern und den Vorsokratikern illustriert, erläutert er den zweiten anhand von Blaise Pascal und an den christlichen Apologeten. Sehr schön schlägt Hailer in beiden Abschnitten eine Brücke von den Fragestellungen der Kirchengeschichte zu den verwandten Problemstellungen in der neueren Theologiegeschichte, zu Karl Barth, Wolfhart Pannenberg und anderen. Hailer will hat das Buch als Studienbuch konzipiert. Darum findet man am Ende dieser beiden sowie der folgenden Kapitel Quellentexte mit Auswertungsfragen sowie Sekundärliteratur. Im Hauptteil (S. 55-224) konkretisiert Hailer die beiden Grundkonflikte an Beispielen aus der Geschichte von Philosophie und Theologie: Platons Theologie und Augustinus bilden den Ausgangspunkt, darauf folgen Aristoteles und die Theologie, die von ihm beeinflusst ist, besonders Thomas von Aquin. Leibniz wird mit dem Erdbeben von Lissabon 1755 konfrontiert, und die Gottesbeweise dienen als Basis zur Erörterung des Problems analoger Rede von Gott. Die Frage des Religionsbegriffs diskutiert Hailer anhand von Schleiermacher und Karl Barth, bei Hegels System wird auf den Einfluss auf Pannenberg, Barth, Jüngel und Falk Wagner verwiesen. Nietzsche ist ein Vordenker der Postmoderne. Die Hauptformen neuzeitlicher Religionskritik und ihre modernen Versionen bis hin zur Befreiungstheologie und zu Jan Assmann werden im Überblick dargestellt. Schließlich stellt Hailer die Analytische Philosophie, mit der sich die evangelischen Theologen I. U. Dalferth, D. Ritschl, G. Sauter und J. Track auseinandersetzten. Im letzten Teil (S. 225-248) formuliert Hailer eine vorläufige Bilanz seiner Darstellung zum Konfliktfeld Glauben und Wissen. Im Streit um das rechte Wirklichkeitsverständnis spricht er sich gegen vorschnelle Harmonisierungsversuche aus; die Theologie soll ohne philosophische Stützung auskommen, weil die Philosophie die Theologie einengt (S. 236). Im Spannungsfeld Mythos - Logos ist die erzählerische Grundverfasstheit unserer Identität und unserer Lebenswelt zu berücksichtigen (S. 238). Hailers Buch eignet sich besonders für Seminare, die in das Spannungsfeld von Glauben, Religion und Philosophie einführen wollen. Besonders die Quellenhinweise sowie das Literaturverzeichnis (S. 249-251) werden hierbei hilfreich sein. Am Ende des Buchs angelangt, stellt sich der Leser die Frage, ob nicht der Titel des Buches eine Fragestellung vermuten lässt, die über das Behandelte hinausgeht. Spätestens im 20. Jahrhundert umfassen ,Glauben und Wissen' umfangreichere Themengebiete als in den Jahrhunderten zuvor, und sowohl der christliche Glaube als auch die philosophische Denkbemühung machen nur noch einen kleinen - wenn vielleicht auch hintergründig wichtigen - Teil dessen aus, was Menschen im Abendland glauben, denken und um das sie sich wissenschaftlich bemühen. Das Thema Schöpfung und Evolution im Spannungsfeld von Glauben und Wissen, das Leserinnen und Leser dieser Zeitschrift besonders interessiert, wird nur peripher behandelt. - Zumindest ein größerer Exkurs zum Phänomen postmoderner Mischreligiosität und agnostischer Konsum-Ersatzreligion mit Hinweisen auf Sekundärliteratur aus Soziologie und Psychologie wäre für die zweite Auflage wünschenswert. Jochen Eber |
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,,Was kann denn ich als Einzelner in der Welt schon bewirken? Wie werde ich ein entscheidender Akteur einer Gesellschaft, in der die Alarmstimmung zum Mainstream geworden ist?" Spannende Fragen, auf die David Bornstein Antworten gibt, indem er Menschen vorstellt, die dem ,,Clash of Civilizations", der ihnen in Form von widrigen Umständen, Sachzwängen oder stagnationsfördernden Strukturen widerfährt, entschlossen die Stirn bieten und Erstaunliches erreichen. Das Buch zeigt, wie Menschen in schwierigsten Umständen ihre Mitmenschlichkeit nicht aufgeben, sondern Liebe, Mut, und Glauben an das Gelingen ihrer Bemühungen heranbilden und das einzig Richtige tun: Sie werden zu Pionieren, die in zwangsläufiger Eigenregie Neues praktizieren, um so mildernde Umstände zum Wohle aller herbeizuführen. Das Programm dieser Social Entrepreneurs lautet kurz und prägnant: (Gesellschaftliche) Probleme nicht lindern, sondern lösen. Dabei haben die Social Entrepreneurs vieles mit den erfolgreichsten Unternehmern der Welt gemeinsam: Eine innovative Idee, Kreativität, unbändigen Einsatz und Durchsetzungsvermögen. Beide beschreiten den gleichen Weg, jedoch bei divergierender Zielsetzung. Der Unternehmer wirtschaftet für sein eigenes Unternehmen, der Social Entrepreneur hilft durch eine Verbesserung gesellschaftlicher Zustände. Im Laufe seiner fünfjährigen Unternehmung, deren Auswertung die Basis für dieses empfehlenswerte Buch bildet, suchte Bornstein in der ganzen Welt nach derartigen Menschen. Fündig wurde er zuhauf: Muhammad Yunus, Wirtschaftsprofessor aus Bangladesch, der gegen den Widerstand mächtiger Banken seine Vision, Kleinstkredite an Arme zu geben, in die Tat umsetzte und für sein Lebenswerk 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde; Agraringenieur Fabio Rosa, der die Produktion günstigen Stroms für brasilianische Kleinbauern realisiert; Gloria de Souza, deren Lernkonzept zunächst belächelt wurde, dann aber von der indischen Regierung zur landesweit verbindlichen Unterrichtsnorm gemacht wurde. Global betrachtet verzeichnet dieser Bürgersektor sehr starkes Wachstum, wohingegen er in Deutschland unterentwickelt bleibt, herrscht doch hierzulande noch die Meinung vor, die Lösung wichtiger Probleme bedürfe nicht des zielstrebigen Engagements eines jeden von uns. Doch angesichts der fortwährenden Debatte um die Zukunft des Sozialstaates gewinnen Bornsteins Ausführungen auch für unser Land an Bedeutung, machen sie doch deutlich, dass sich soziales Engagement und Wirtschaftlichkeit durchaus miteinander verbinden lassen. Die Kräfte der Zivilgesellschaft sind stark: Gemeinsam mit dieser ,,Graswurzelbewegung" werden auch wir Christen als ?Seele des Ganzen? gebraucht, gibt es doch tausende Geschichten, in denen Graswurzler und Christen Hand in Hand gehen, fast jede ist ein Abenteuer der Menschlichkeit, auch wenn sie im Licht der Öffentlichkeit oft unbeholfen wirken. Trotzdem erklimmen diese Menschen jeden Tag neue Gipfel. C. Marc Fülöpp |